Tore-Video: Anderlecht – HSV 4:3 (Tore + Highlights in der Zusammenfassung, 5 Videos)
Der Hamburger SV beim RSC Anderlecht zwischen Genie und Wahnsinn – und doch irgendwie eingezogen ins Viertelfinale der Europa League. Einfach irre, was der HSV seinen Fans in letzter Zeit für Wechselbäder der Gefühle zumutet. Wenn die Ordnung auf dem Platz mal wieder völlig verloren geht, ist bei den Hamburgern keinerlei Handschrift eines Trainers mehr zu erkennen, alles rennt durcheinander in imaginärer Raumdeckung wie bei einem Handballspiel von 11-jährigen Jungs im Schulsport… Die Löcher, die im Mittelfeld klaffen, werden auf den Außenbahnen zunächst immer breiter, bis sie sich ins Zentrum vor das Tor von Frank Rost ausdehnen und jeglichen Erfolg zu verschlucken drohen. Ein Flächenbrand unheimlich schwarzer Löcher, der in der Abwehr dann mit dem großen Schwimmen gelöscht werden soll. Oder ist das die Handschrift von HSV-Trainer Bruno Labbadia?
Gut, mit dem PSV Eindhoven und RSC Anderlecht hatte der Hamburger SV in der K.O.-Runde der Europa League keine Laufkundschaft, sondern jeweils den Tabellenführer aus den Niederlanden und Belgien im gefährlichen Rückspiel auswärts. Doch muss der Gegner jedes Mal zu voller Größe aufgebaut werden, indem man ihn zu leichten Toren einlädt, bis das Spiel auf Messers Schneide steht und der leidenschaftliche HSV-Fan vor der dauerhaften Verabschiedung vom Ruhepuls? Für HSV-Spiele in der Europa League gibt’s kein Nerventonikum, das stark genug wäre, man müsste den Fan zum Schutz seiner Gesundheit schon vollständig sedieren. Nicht wenige versuchen das mit Alkohol, aber das dauert…
So aber nimmt der Wahnsinn ungeschützt seinen Lauf: Nach den vier einladenden Gegentoren von Leverkusen ließ sich der HSV auch in Brüssel vier Stück in die Hütte hauen. Und das sind nur die Tore, alles, was zählbar im Netz landet. Die Wellen von Torchancen, die auf den Kasten von Frank Rost zurollen und nur in höchster Not oder durch Zufall geklärt werden oder einfach nicht im Tor landen, sind wesentlich schwerer zu zählen. Auch der RSC Anderlecht hatte den Hamburger SV am Rande des Ausscheidens, doch auch die Belgier scheiterten am großen Chaos, an der Wundertüte HSV. Hat Bruno Labbadia am Ende den Papst in der Tasche – oder gar Udo Lattek?
Der HSV schleppt sich mit einer Mischung aus überspielten Dauerbrennern, überforderten Rekonvaleszenten und verunsicherten Ersatzspielern wie ein angeschlagener Boxer in die nächste Runde. Die Verbindung, die die einzelnen Mannschaftsteile zusammenhält, ist fragiler denn je. Aus einem Guss hat das Team schon lange nicht mehr gespielt, die Rotation hat Hierarchien aufgeweicht und Selbstvertrauen gekostet. Wenn der HSV nicht bald wieder zurück zu spielerischer und kämpferischer Einheit und Ordnung findet, bleibt der Traum vom Europa-League-Finale in Hamburg nur ein Traum…
Alle Tore und Highlights vom Viertelfinal-Einzug des Hamburger SV beim RSC Anderlecht gibt es hier noch mal in der Zusammenfassung auf Video zu sehen.
Europa League 2009/2010, Achtelfinale Rückspiel, 18.03.2010
RSC Anderlecht vs. Hamburger SV 4:3 (2:1)
Constant Vanden Stock Brüssel, 23.000 Zuschauer
Tore: 0:1 Boateng (42.), 1:1 Lukaku (44.), 2:1 Suarez (45. + 3, Elfmeter), 2:2 Jansen (54.), 3:2 Biglia (59.), 4:2 Boussoufa (66.), 4:3 Petric (75.)
Alle Tore und Highlights in der Zusammenfassung
5 Videos (inkl. Back-ups)