Fahrradkorso in Münster
Pogo in Togo und Cola in Angola ist nichts dagegen: Party auf dem Ludgerikreisel in Münster nach dem deutschen Sieg im Elfmeterschießen gegen Argentinien. Wie immer mittendrin: Stage-Diving-Ramon!
Pogo in Togo und Cola in Angola ist nichts dagegen: Party auf dem Ludgerikreisel in Münster nach dem deutschen Sieg im Elfmeterschießen gegen Argentinien. Wie immer mittendrin: Stage-Diving-Ramon!
Deutlich Hallo? Those Argentinos sagen deutlich Hallo? Verstehen wir jedenfalls! Bezieht sich bestimmt aufs Viertelfinale…
Nachtrag: Wobei sie eigentlich besser hätten „Goodbye“ singen können… (Und ja: Wir wissen auch, dass das Italiener sind, die da hüpfen und singen…)
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Zwei ganze Tage ohne ein einziges WM-Spiel, der kalte Entzug schreit geradezu nach einem Zwischenfazit. Bis jetzt wohl eine WM der Superlative, der Rekorde, im Positiven wie im Negativen. Ausverkaufte Stadien, die meisten WM-Zuschauer aller Zeiten vor den Fernsehern weltweit, die offiziellen Fan-Feste der FIFA übertreffen publikumsmäßig alle Erwartungen, die inoffiziellen werden von Spiel zu Spiel größer, geiler, wahnsinniger. Auch im Schrebergarten. Auf der anderen Seite leere Sponsorenblöcke, ein florierender Schwarzmarkt mit Preisen blühendster Phantasie, in einer Partie erhält ein Spieler gleich dreimal die Gelbe Karte, bevor er doch noch einmal die Rote sehen darf, dazu gibt’s ein Rekordspiel in Sachen Gelbe und Rote Karten, eins in Sachen null (!) Tore einer Mannschaft im Elfmeterschießen – und im Schnitt viel zu wenig richtig gute, mitreißende, spannende Spiele auf hohem Niveau.
Als Ausgleich dafür, dass diesmal die deutsche Elf überzeugenden Offensivfußball zelebriert, haben sich einige der üblichen Verdächtigen in der Schönspielerei dann doch etwas zurückgenommen, stolpern als „Turniermannschaft“ durch die WM, mogeln sich durch Vorrunde und Achtelfinale im Stile früherer deutscher Mannschaften, sparen Kräfte für vermeintlich Entscheidenderes. Gut, der Italiener, wie Kaiser Franz sagen würde, von dem ist man das ja schon gewohnt, defensiv derbe zur Sache gehen, den Schiri in letzter Sekunde aktiv für einen Elfer begeistern, 1-0 gewinnen, was kümmern einen die Roten Karten von gestern. Aber von Mannschaften wie Frankreich (allezallezallez), Brasilien (Ronaldinho?), England (gähn!) oder Portugal (der Scolari-Effekt) erwartet man eher nicht, dass nur Cleverness und Einzelaktionen Trumpf sind, dass zuerst auf Ergebnis gespielt wird, nicht mehr getan wird als nötig.
Und ein ganz besonderer der üblichen Verdächtigen in Sachen begeisterndem Offensivspiel ist bereits nach Hause gefahren. Nein, nicht Trinidad & Tobago! Die Holländer hat’s erwischt bei dem Versuch, sich nicht dutch, sondern deutsch durchs Turnier zu spielen. Unterkühlt bis zerstritten stolperte Oranje als zusammenhangsloses Plagiat über den Platz, und dabei hatte FANartisch Orange schon voreilig zur gefährlichsten Farbe des Sommers erklärt. (Okay, wir hatten ja auch schon vom tschechischen Mittelfeld geschwärmt – haben wir je gesagt, wir hätten Ahnung vom Fußball?) Wer hätte denn auch ahnen können, dass Van Persie und Sneijder einander auf dem Platz überhaupt gar nichts recht machen können, dass Van Basten Van the Man demütig(end)st auf der Bank versteckt, dass Van der Vaart gar nicht in Tritt kommt, dass ein bisschen Härte reicht, um Robben komplett den Schneid abzukaufen.
Kein Wunder, dass ein Ästhet wie Günter Netzer weinerlicher als Harry Rowohlt in seiner Paraderolle als Maulwurf in „Der Wind in den Weiden“ jammerte: „Das sind nicht mehr meine Holländer, die mag ich so nicht! Früher war das Dogma ihrer Spielweise, Dominanz auszuüben, den Ball zirkulieren zu lassen und, äh, in solchen Phasen auch über schwierige Situationen hinauszukommen. Heute sind sie derartig orientiert (…), das ist etwas, was völlig unterschiedlich zu früheren Zeiten ist, und ich bin keineswegs angetan, nicht von ihrer Spielweise und dem Erfolg im weiteren Turnier!“ Aha, Prophet Jünter hatte wieder mal so was von Recht. Wie konnte er das nur wissen mit dem „Erfolg im Turnier“? Hoffentlich Recht hat denn auch Béla Réthy, schlimmhaftiger Töpperwien-Klon vom ZDF: Als der Schlager „Ohne Holland fahrn wir nach Berlin!“ angestimmt wurde, plapperte er etwas von „die Fans haben ja Recht“! FANartisch meint: Hoffentlich! Recht so! Wer ist eigentlich dieser Argentinien?
R.I.P. Bruno!
TOM S. HUNTER
PS: Lachen? Schlimmer denn je: Post von Wagner
*sing* „Ohne Holland fahrn wir nach Berlin…“ Weinende Holländer im Wohnwagen? Immerhin haben sie fließend Wasser…
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Als richtig guter Journalist müsste man doch noch die Floskel „Schwedenhappen“ irgendwie unterbringen…
SCHÖÖÖN! Oh, wie ist das… Wir haben wirklich eine Turniermannschaft, die sich von Spiel zu Spiel steigert. Mit der Betonung auf Mannschaft, wo einer für den anderen kämpft, für den anderen spielt, für den anderen da ist. Wie der Miro für den Lukas. Ach, was sage ich, wir sind eine ganze Turniernation, auch die Partys steigern sich mit jedem gewonnenen Spiel, da soll der Diego mal Bauklötze staunen! Nun staunten erst mal die Schweden wie Elche, die einen Problembären sehen. „Ihr seid nur ein Möbellieferant!“ war nur ein Motto von vielen – Podolski entschied sich sofort für das dicke Brett „Tore“, das die Schweden noch zweimal am Lager hatten. „Freunde zu Gast beim Weltmeister“ war daraufhin die Parole der Stunde, auch wenn wieder einmal überdeutlich wurde, dass Überzahl für deutsche Teams eine echte Spaßbremse sein kann.
Schööön hässlich! Meint jedenfalls Lukas Podolski, beispielsweise beim Interview über das Hemd von Interviewer Günther Jauch. Und das, nachdem Rudi Völler Jauch schon von der Krawatte abgeraten hatte. Das erinnert ja verdammt an Uli Stielike! Wer legt dem armen Günther nur morgens die Klamotten raus? Das brasilianische Promi-Modell Jana Ina dagegen findet die gesamte deutsche Nationalmannschaft irgendwie unsexy, nicht nur schlecht angezogen, nein, „potthässlich“. Man merkt schon: Fußball bei RTL ist Entertainment und Lifestyle und Comedy, wie alles beim Kölner Sender. Und Formel 1! Auch die Kommentatoren, die nun für Fußball eingesetzt werden, kennen sich deutlich besser beim Rennsport aus, da werden bei Florian König schon mal die Zeiten wichtiger als alles andere (dass er bei England – Ecuador nicht noch einen vom Boxenstop erzählt, ist alles), Tom Bartels beweist, dass er mehr als 90 Minuten ohne Tanken, Reiffwechsel und Luftholen dauerfassbendern kann.
Gar nicht schön! Und das bei einem Kracher wie Portugal – Niederlande. Der aber irgendwie auch als hübsch-hässlich in Erinnerung bleiben wird: 12 Gelbe Karten und weitere 4 Gelb-Rote sind WM-Rekord – und erzählen in der Statistik noch nicht mal die ganze harte Wahrheit über das Rekordspiel… Kung-Fu-Tritte, Dauerrudel und ein Kopfstoß – ein bisschen gemächlicher hätt’s schon sein können. FANartisch meint: Wir sind zwar froh, dass die Camper bei RTL rausgeflogen sind und mit ihren Wohnwagen nun die Heimreise antreten können. Aber wir freuen uns regelrecht auf die Öffentlich-Rechtlichen: weniger Action, weniger Chuck Norris, weniger Entertainment, weniger Formel 1 – mehr Fußball!
BUCK LEBOWSKI