11. August 2009 | Le Pissoir,News | Ein Kommentar

Fairplay im Profi-Fußball?


Gibt es überhaupt noch Fairplay im Profi-Fußball oder ist allein die Idee schon der Luxus einer längst vergangenen Epoche, der Fußball-Nostalgie des „11 Freunde sollt ihr sein“? Ein Luxus, den man sich im modernen und immer noch moderneren Fußball nur noch leisten darf, wenn man haushoch führt oder es um weniger als nix geht, wenn überhaupt? Die Unsitte des Weiterspielens bei Verletzungen des Gegners hat genauso deutlich zugenommen wie die Unsitte des Liegenbleibens und sich vor Schmerzen Krümmens, um den Gegner aus dem Rhythmus zu bringen und sich „auf die Uhr zu setzen“, um hinterher professionell in sich hineinschmunzelnd aufzustehen. Viele Profis kriegen es bei Letzterem nicht mal hin, mit den reibenden oder vorgehaltenen Händen auch nur annähernd in die Nähe eines Körperteils zu kommen, das getroffen worden sein könnte. Dies ist wohl der schmalste Grat, auf dem ein Schiedsrichter unter Entscheidungsdruck wandeln kann. Jemandem eine Schwalbe lückenlos nachzuweisen, ist schon schwer genug. Zwischen Schauspielerei und Beinbruch darf sich ein Schiri erst recht keine Fehlentscheidung leisten. Und selbst die Fans im Fußballstadion brauchen oft erst die nachträgliche Superzeitlupe, um ihren leicht subjektiven Eindruck aus dem Stadion zu revidieren… Eindeutiges Hammerbeispiel, bei dem sich die Frage nach einem Simulieren überhaupt nicht stellt, ist übrigens in Video 1 zu bewundern: Im Viertelfinale des norwegischen Pokals ging es am Wochenende um die Wurst, Odd Grenlands ungarischer Stürmer Péter Kovács nutzt hier die offensichtliche Verletzung des Brann-Bergen-Torwarts Håkon Opdal zum vorentscheidenden Tor zum 2:0 (Endstand: Odd Grenland vs Brann Bergen 5:1). Hier stellt sich sehr eindeutig die moralische Frage, wie viel Fair-Play sich Profi-Fußball noch leisten will, kann, muss, darf. Wann kriegt ein Spieler schon mal die Chance, Größe zu zeigen?

Fairplay im Profi-Fußball?
2 Videos zur Diskussion

Im zweiten Video-Beispiel stellt sich die Sache ganz anders dar. Hier kommt wieder die Zwickmühle ins Spiel: Wann muss man einen Spielzug abbrechen, als Spieler, als Schiedsrichter. Gut, wenn der Schiri im Match Chelsea vs ManU bei Ballacks Body-Check gegen Nani sofort auf Foul entschieden hätte, würde sich die Frage nach der Fairness oder Unfairness bei diesem Lampard-Tor gegen Manchester United überhaupt nicht stellen…



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Ein Kommentar zu “Fairplay im Profi-Fußball?”

  1. 11. August 2009, 23:25
    Adrian

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich Fairplay im modernen Fußball echt vermisse! Alleine dieses Elfmeter rausschinden per Schwalbe…