1:4 gegen Bayern. Tristesse und Randale in Köln nach dem sicheren Abstieg aus der Bundesliga, die Fans des 1. FC Köln zünden Rauchbomben, Rauchtopf und Co., schwarzer Rauch nebelt den Kölner Abstieg ein, Polizei und Ordner verhindern den Platzsturm und schwerere Ausschreitungen. Die Spieler hatten von Schiedsrichter Meyer bereits Sekunden vor Abpfiff Anweisungen bekommen, sofort nach Schlusspfiff in die Kabine zu stürmen, wie Spieler des FC Bayern München nach dem Match in Interviews erzählten. Nicht nur die Wilde Horde der Ultras Cologne reagierte massiv auf den Abstieg ihres 1. FC Köln, doch weniger fanatische Köln-Fans machten ihrem Unmut eher passiv Luft, Traurigkeit und Depression waren Trumpf in der Kölner Arena, nachdem von Hoffenheim in Berlin keine Schützenhilfe mehr kam. Viel Rauch um überhaupt nichts, denn “Danke für nichts!” hätte das Motto der Effzeh-Fans an diesem 34. Bundesliga-Spieltag sein müssen – wenn da nicht die Verabschiedung vom Kölner Prinzen Poldi, von Lukas Podolski zum FC Arsenal nach London angestanden hätte. Beim Lukas bedankten sich die Fans für eine tolle Rückkehr vom FC Bayern zum 1. FC Köln und für eine Menge Tore und Highlights in den vergangenen Jahren. Der schwarze Rauch stand dann nicht nur symbolisch für den Abstieg und den harten Gang direkt in die zweite Liga…
Bundesliga 2011/2012, 34. Spieltag, 05.05.2012
1. FC Köln vs. FC Bayern München 1:4
Randale bei Abstieg in Köln: Fans zünden Rauchbomben, Rauchtopf und Co.
Polizei verhindert Platzsturm und Ausschreitungen
3 Videos (Lowlights und Smoke statt Highlights und Tore)
Hängen Schlagen und Würgen im Abstiegskampf, Italien, Serie A, AC Florenz vs. Novara Calcio: Trainer schlägt Spieler nach dessen Auswechslung! – Die meisten Fußball-Trainer stellen sich ja eher schützend vor ihre Spieler und verteidigen diese in der Öffentlichkeit, und wenn sie sie mal angreifen müssen, dann verbal hinter verschlossenen Türen, in der Kabine, beim Training. Oder schlimmstenfalls via Medien. Fiorentina-Trainer Delio Rossi schlägt Adem Ljajic beim wichtigen Spiel im Abstiegskampf gegen Novara nicht “nur”, sondern würgt den gerade ausgewechselten Spieler noch ein bisschen. Zwar hört Delio Rossi als Trainer in Italien nicht ohne Grund auf den Kampfnamen Popeye, doch diese Form der Spielerkritik mit Schlagen und Würgen des Sündenbocks ist selbst in der skandal- und krisengeschüttelten Serie A völlig neu und kostete Delio Rossi umgehend den Trainer-Job. Entlassung beim AC Florenz noch in der Pressekonferenz nach dem Match, das die Fiorentina am Ende noch 2:2 spielen konnte, und Sperre in der Serie A für 3 Monate – der Ex-Trainer von Florenz ist damit erst mal vom Markt. Direktes Dampfablassen am Spieler bringt also weder die erhoffte Befriedigung noch die rechte Entspannung, vom Renommee ganz zu schweigen. FANartisch weiß: Ist der Ruf erst ruiniert, ist dann auch dieser brutale Druck weg, dem moderne Fußball-Trainer heute ausgesetzt sind. Und Ausraster, Handgreiflichkeiten, Explosionen und Wutausbrüche nicht so moderner Übungsleiter und Team-Manager sind auch keine Lösung – auch wenn Delio Rossi kurzfristig mit seiner Attacke mehr Leistung aus seinen Spielern rausgekitzelt zu haben schien…
Italien, Serie A, 02.05.2012
AC Florenz vs. Novara Calcio 2:2
Trainer schlägt Spieler: Fiorentina-Coach Delio Rossi würgt und schlägt Adem Ljajic, bevor er entlassen wird…
3 Videos
In Englands Premier League ist Papiss Cissé schon bestens angekommen, Cissé-Tore sind bereits ein Gütesiegel bei Newcastle-United. Und auch die Cissé-Tore gegen Chelsea zum überraschenden 2:0-Sieg von Newcastle an der Stamford Bridge sind etwas Besonderes – eines schöner als das andere! Das erste Cisse-Tor ist der Hammer, doch der zweite Streich von Papiss Demba Cissé wird schlicht Tor des Monats in England, von links mit rechts rutscht Cisse der Ball über den Schlappen, das Glück dreht den Schuss unhaltbar über Cech so krumm ins Chelsea-Tor, dass es eine wahre Wonne ist. So kann man das Ding also auch reindrehen, theoretisch. In der Praxis gelingt das einmal von 100 Schüssen – mit Glück! FANartisch meint: Well done, Mr. Cissé – Tor des Jahres! Wenn nicht wieder Wayne Rooney kommt und einen phantastischen Fallrückzieher ins Tor jagt. Und schon mal ein kleiner Hinweis für die Bayern, was für Tore man Cech in die Maschen jagen kann. Aber nicht dass Arjen Robben und Franck Ribery jetzt nur noch krumme Dinger drehen…
Neulich in England…
FC Chelsea vs. Newcastle United 0:2
2 Cisse-Tore, ein Cisse-Tor des Monats
2 Videos
Am Ende hatte Cristiano Ronaldo noch “beef” mit Javi Martinez, doch Real Madrid feiert als Meister 2012 in Spanien eine Saison der Rekorde. Mit einem 3:0-Sieg gegen Athletic Bilbao schmeißt Real Madrid die Meisterfeier an, und das bei einem Team, das die Europa League gerockt hat. Nach Toren von Higuaín, Özil und Ronaldo folgten die Highlights beim Feiern der Campeones der Primera Division, das “deutsche Mittelfeld” mit Mesut Özil und Sami Khedira mittendrin, und auch der vom Verletzungspech verfolgte Nuri Sahin grüßt als spanischer Meister 2012 nach Dortmund, wenn auch passiver, als dem türkischen Nationalspieler recht sein durfte. Sein Anteil an den Erfolgen von Real Madrid soll in Zukunft deutlich höher ausfallen – jedenfalls arbeitet Sahin intensiv an seinem “richtigen” Comeback. Mit einem bestens funktionierenden Team haben die Königlichen in dieser Saison national alle wichtigen Gegner geschlagen, und in der europäischen Königsklasse sind die Madrilenen nur am FC Bayern gescheitert – und an den eigenen Nerven. José Mourinho hat seine drei Meistertitel mit drei verschiedenen Vereinen in drei unterschiedlichen Ländern komplett. Und damit eines seiner Lebensziele im Fußball erreicht. Aber was sind die nächsten Ziele des “Special One”? Alle Tore und Highlights von der vorzeitigen Meisterfeier von Real Madrid bei Athletic Bilbao sind hier in der Zusammenfassung auf Video zu sehen…
Spanien, Primera Division, 02.05.2012
Athletic Bilbao vs. Real Madrid 0:3
Campeones: Real Madrid Meister 2012 in Spanien
Alle Tore und Highlights (Meisterfeier Real Madrid in Bilbao) in der Zusammenfassung
2 Videos
Tore:
0:1 Gonzalo Higuaín
0:2 Mesut Özil
0:3 Cristiano Ronaldo
Mit fliegenden Hertha-Fahnen in den Untergang, Berlin taumelt sehenden Auges dem Abstieg aus der Bundesliga entgegen. Der Respekt vor Hertha BSC Berlin thront zusammen mit dem Manager-Gehabe eines Michael Preetz im Tabellenkeller der Bundesliga, als wäre Günter Wallraffs “Ganz unten” nur ein Hilfsausdruck von einem negativen Superlativ. Selbst ein Trainer wie Markus Babbel lässt vor dem letzten Bundesligaspieltag mit dem Duell Hertha vs. Hoffenheim verlauten, dass er mit seinen Hoffenheimern alles daransetzen wird, Hertha zu schlagen und damit in die 2. Liga zu schicken, den Hertha-Abstieg im Berliner Olympiastadion höchstpersönlich zu besiegeln. Und nicht nur Hertha-Fans spekulieren darüber, womit sich die Berliner diese explizite Reaktion von Babbel denn nun wirklich verdient haben. Kann man grandioser scheitern als mit der Verpflichtung von König Otto Rehhagel? Dem 73-jährigen Erfinder des Fußballs und der kontrollierten Offensive, die der Europameister-Trainer in Griechenland sogar zur gesicherten Defensive mit 2 Vierer-Abwehrketten und 2 Liberos zurückentwickelte bis in die Fußball-Steinzeit, wo Weisheiten wie “Die Wahrheit liegt auf dem Platz” noch Höhlenmalereien mit Strichmännchen waren…
Im fußballerischen Kreidezeitalter der Taktiktafel war der 1. FC Köln einst der erste Deutsche Meister der Bundesliga, woraus der kölsche Klüngel um den ersten Fußballclub Köln seinen Anspruch ableitet, als stolze Diva vom Rhein fortan mit immer utopischeren Saisonzielen und -träumereien immer grandioser zu scheitern, auch wenn Christoph Daum, die Alltime-Ikone der Kölner Erfolgshyperbel zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, bislang nur die Konkurrenz von Eintracht Frankfurt eigenhändig und -metaphorisch in den Abstieg führen durfte. Wer grandioser scheitern will, muss schließlich erst mal die Bundesliga-Konkurrenz bei der Misswahl um die Skandal-Diva der Liga ausschalten. Und auch in puncto Abstiegskampf macht der 1. FC Köln noch ein virileres und dramatischeres Bild als die Berliner Hertha, hat man sich doch eine rheinische Derby-Relegation in den von Führungslosigkeit und Querelen verwirrten Kopf gesetzt. Nur um Fortuna Düsseldorf in zwei Relegationsspielen die Aufstiegsträume zu zerstören, den Effzeh-Fans zum Ausklang der Kölner Katastrophen-Saison noch ein ganz besonderes Highlight zu bescheren, als kleines Dankeschön für die fanatische wie fantastische Treue. Während manche Bedenkenträger nur zu gern auf die Nervenbelastung solcher vermeintlicher Höhepunkte kölschen Fußballlebens verzichtet hätten, freuen sich viele auf eine Relegation 1. FC Köln vs. Fortuna Düsseldorf mit jener Leidenschaft, wie sie nur in Köln zu finden ist. Und vielleicht noch in Düsseldorf…
In Hamburg ist dagegen alles graue Theorie und Durchschnitt – wenn es um grandioses Scheitern geht, kann Hamburg nicht mitreden. Der Hamburger SV als Bundesliga-Dino rettet sich auf letzter Rille direkt ins Ziel, ins Minimalziel Klassenerhalt, der FC St. Pauli und der HSV wollen einfach keine Derby-Relegation hinkriegen, und selbst das Scheitern an dieser aufregenden Wunschkonstellation gerät beiden zum Mittelmaß. Unspektakulärer als der FC St. Pauli kann man nicht am Bundesliga-Aufstieg scheitern, die Paulianer ließen sich sogar noch von Paderborn die Bundesliga-Butter vom Graubrot nehmen, wenn die nicht schon Fortuna Düsseldorf punkrockigerweise in die Kiez-Frisi geschmiert hätte und die braun-weißen Aufstiegsträume am Nasenring durch die Manege führte. Selbst 1860 München hätte den spektakuläreren Endspurt zu bieten… Und das von Thorsten Fink und Frank Arnesen viel strapazierte Potenzial des Hamburger SV liegt im Spruch “Gutes Pferd springt knapp”, den man an der Elbe zwar mit der dritten Reihe des Chelsea FC bundesligauntauglich in “Schlechtes Pferd” umwandelte, aber nicht mehr genug Zeit hatte für eben jenen Anspruch “Schlechtestes Pferd verweigert total”, mit dem es sich einfach grandioser scheitern ließe. Selbst das direkte Endspiel um den Klassenerhalt in Augsburg vermied der HSV vorzeitig, nahm diesem Nerven-Kracher jegliche Brisanz und “ersparte” den HSV-Fans wieder mal jede Endspielstimmung. Und nach einem radikalen Borderline-Umbruch ohne viel Geld folgt nun der radikale Umbruch ohne Geld. Dabei auf den eigenen Nachwuchs aus Hamburg zu setzen, wäre aber wohl eine Nummer zu grandios…
BUCK LEBOWSKI
FANartisch-Experte für grandioses Scheitern
(Selbst-Interview vor dem Spiegel folgt, d.h. Interview mit sich selbst nach PR-Vorbild Michael Preetz)