FANartisch: Le Pissoir

1. Februar 2006 | Le Pissoir,News,Vor 100 Jahren | Kommentare deaktiviert für Olé! Stierkampf mal anders

Olé! Stierkampf mal anders

[inspic=2010,,,0]

Motril, Südspanien. Der kleine Mann weicht geschickt aus, bevor er um sein Leben läuft, schlägt Haken, entkommt seinem Verfolger, für den er ein rotes Tuch ist, nur mit Mühe und Not. Von Anmut keine Spur, die Zuschauer sind fassungslos. Der kleine Mann ist Schiedsrichter, sein Verfolger sitzt im Auto, die Arena ist ein Fußballplatz. Aus Wut über einen Elfmeterpfiff habe ein Zuschauer versucht, den Unparteiischen auf dem Fußballfeld zu überfahren, berichtet die Zeitung „Granada Hoy“. Zwei Mal sei er auf den Schiedsrichter zugefahren, der rechtzeitig zur Seite springen und vom Feld rennen konnte, danach das Spiel abbrach und Anzeige erstattete. Schiedsrichterobmann Diego Millán, der für den Fall zuständig ist, gab zu Protokoll: „So etwas habe ich in meinen 52 Jahren im Dienst im Schiedsrichterbereich noch nicht erlebt.“ Auch FANartisch kommt das spanisch vor, hatte doch der Schiri dem rabiaten Stockcar-Alonso nicht mal Rot gezeigt.

TOM S. HUNTER

1. Februar 2006 | Auswärtsspiel,Le Pissoir,News | Kommentare deaktiviert für 1000 Werbe-Meisterwerke (WM) – #2 adidas +10

1000 Werbe-Meisterwerke (WM) – #2 adidas +10

 [inspic=1179,,,0]

„Titaaan, Titaaan – wer mitten im Sprung Selbstgespräche führt, ist kein Titan!“ Diesen Satz sagt Oliver Kahn im adidas-Werbespot für die neuen Trikots der deutschen Nationalmannschaft zwar nicht, aber seine Mimik verrät: möglich, dass er ihn denkt. Ob und was Lukas Podolski denkt, wenn er sein „Dollpass alleine? Vergisses!“ in unnachahmlicher Weise aufsagt, verrät sein Gesicht mal wieder nicht. Pokerface! Niemand kann erraten, wohin er wechseln wird, niemand wird je erfahren, wo genau in Köln Bergheim dieser Dollpass erfunden wurde. Laut Presseinformation zur globalen adidas-Fußball-Marketing-Strategie „+10“ geht es ja auch gar nicht um Poldi, sondern um Philosophie. Im Mittelpunkt der Kampagne stünden weder neue Sprachübungen oder Atemtechniken, sondern „die deutsche Fußballnationalmannschaft und der Mannschaftsgeist innerhalb der Elf“. Auch ist es deutschen Wissenschaftlern immer noch nicht gelungen, die Zeit anzuhalten. „Der Spot wurde mit Hilfe einer besonderen Technik gefilmt, die eine Wiedergabe im Maßstäbe setzenden HD-Design ermöglicht. Darüber hinaus wurde eine Kamera eingesetzt, die mehr als 1.000 Bilder pro Sekunde aufnehmen kann, so dass bestimmte Sequenzen in einer eindrucksvollen Superzeitlupe wiedergegeben werden können.“ Schade! Und wir hatten uns schon so drauf gefreut, Ronaldo diesmal mitten im Schuss anzuhalten…

BUCK LEBOWSKI

1. Februar 2006 | Le Pissoir,News | Kommentare deaktiviert für EINMAL KONG IM CAFÉ KING

EINMAL KONG IM CAFÉ KING

[inspic=1366,,,0]

Rankestraße, gar nicht weit vom Kudamm, es gibt es also wirklich, das Café King, die berühmte Lasterhöhle, in der Robert Hoyzer und andere Schiedsrichter sich verführen lassen sollten zu Schweinkram bundesweiter Dimension. Besser bekannt als „WETTSKANDAL“ oder „DER GRÖSSTE WETTSKANDAL“. Es ist Februar, und ich schlage an diesem Sonntagmorgen meinen Mantelkragen hoch, weil es immer stärker schneit in Berlin, wo ich meinen mysteriösen koreanischen Freund Felix besucht und das Ganze mit dem Spiel meines HSV bei der Berliner Hertha verbunden habe. Das Spiel war gestern, der HSV war so was von besser, echt, und hat sich dennoch eine unglaubliche 4:1-Klatsche gefangen. Vor allem unglaublich dumm. Schnee von gestern, mein Sonntagmorgen ist eigentlich ein Mittag, ich bin schon wieder halbwegs nüchtern, aber immer noch schwer übellaunig, obwohl ich schon gefrühstückt und gepackt habe und nachher fahren will. Und vorher noch kurz ins Café King und mal schaun und denen mal die Meinung geigen. Und überhaupt, der Hoyzer soll mir mal über den Weg laufen, der ist ja schon wieder raus aus der Untersuchungshaft.

Rache! Rache für Paderborn, dieses unglaubliche Pokalaus mit einer peinlichen roten Karte für Emile Mpenza und zwei noch peinlicheren, unberechtigteren, lachhafteren Elfmetern gegen den HSV, Hoyzer hat an diesem Tag wirklich Schwerstarbeit geleistet, viele Fotos werden hinterher die ungläubigen (Barbarez), fassungslosen (Lauth, Mpenza), hysterisch erheiterten (Beinlich) Blicke der HSV-Profis Richtung Schiedsrichter zeigen. Kurze Zeit nach dem Spiel hat man diese Bilder noch anders gedeutet, mit dem Glauben an die Unfähigkeit eines jungen Schiedsrichters, der überfordert war, der Aufgabe nicht gewachsen, der sich hat anstecken lassen vom ganzen Pokalsensationsfieber – die Blicke der Profis, na klar, bar jeder Selbstkritik, ungläubig auch ob der eigenen Leistung. Aber von wegen! Manche Dinge, die einem so was von komisch vorkommen, klären sich halt erst viel später auf…

Und jetzt? Was mache ich eigentlich hier, wie ich da so vor dem Café Dings stehe? Ich bin doch eigentlich ein lieber Kerl, weder Bombe noch Baseballschläger unterm Mantel. Wie lautet mein Auftrag? Also erst mal rein, schaun mer mal, und aufwärmen. Aber bestellen werd ich hier nix, so viel steht felsenfest! Mmh, warm! Uaaargh, laut! Und ich dachte, Euro-Dance wäre ausgestorben, dumm von mir. Ist zum relaxten Sonntagsbrunch voll angesagt, in voller Lautstärke, Lounge zum Chillen ist was für die Dörfer, dit hier is Hauptstadt. Die Parole steht eigentlich auf „langer Schuh“ – aber das hier ist alles zu bizarr. Hier sitzt ja wirklich der halbe Balkan beim Brunch (Ante S. sitzt aber woanders), Familien mit Kindern, aber auch Schwarzlederbejackte von der Türstehergewerkschaft, immer so 6-8 an einem Tisch. Willkommen im Klischee, ich bleibe! Gefahrensucher! Mal sehen, wie die ihre Wettscheine ausfüllen und sich um die Kohle streiten. Und die Bedienungen passen da doch gar nicht zu, rennen in Vielzahl in roten King-Poloshirts umher, scheinen echt ok zu sein und suchen mir nen Tisch. Wenn die wüssten…

Na gut, ich bestelle mir nen Kaffee, aber bezahlen werd ich nix, harhar. Und mit dem Zucker rumsauen werd ich auch, so! Aber die Bedienung ist supernett, und was kann sie denn schon dafür, und dann muss sie das nachher selber zahlen und alles wegwischen. Scheißidee! Und keine Chance, Frust abzubauen, die Musik nervt jetzt noch mehr als der ganze Plan, hierher zu kommen. Der schnellste Kaffee meines Lebens, zahlen, bitte, danke. Und jetzt raus hier. Aber erst noch aufs Klo, misstrauisch beäugt von den Lederjacken-Brunchern. Paranoia ist auch eine schöne Krankheit, denke ich beim Urinieren. Leider ist der Brechreiz nicht stark genug, der beim Betrachten des Schaukastens auf dem Weg zur Toilette aufkam – die Fotos von denen können einem echt den Rest geben. Aber nur Wut kommt wieder hoch, das Frühstück bleibt unten. Wie treten Hooligans noch mal gleich Pissbecken von der Wand? Mmh, dafür sollte man zu zweit sein. Die Toiletten verstopfen, denke ich, als ich mir die Hände mit dem grünen Wegwerfpapier abtrockne, das ginge hiermit ja wohl super alleine. Und: Scheiße, Edding vergessen!

Als ich das Café verlasse, bin ich mit mir im Reinen. Die Sonne scheint. Wie gut, dass ihr hier alles Arschlöcher seid, denke ich. Wie gut, dass ich manchmal auch eins sein kann.

BUCK LEBOWSKI

27. Januar 2006 | Auswärtsspiel,Le Pissoir,News | Kommentare deaktiviert für Klinsman’s UniverSAl Lexikon #6 – POLEN, THE

Klinsman’s UniverSAl Lexikon #6 – POLEN, THE

[inspic=1403,,,0]

Polen zu Gast bei Freunden in der Gruppe, Vorurteile und Klischees sind längst da. Polnischer Triathlon, wo ist mein Knoppers, Deutsches Welle Polen in Farbe und buuunt – der Witze gibt es so viele, dass sich das offizielle Logo zur offiziellen FIFA WM 2006™ längst laut in den Wahnsinn gelacht hat. Und noch nie gegen die verloren, sogar gegen Luxemburg schon, aber noch nie gegen Polen (10 Siege, 4 Unentschieden). Aber Obacht, sagt sich der Jürgen, da war doch was? Richtig, Ebi Smolarek hat in Dortmund ja auch ein Heimspiel und ist so blitzeschnell und so brandgefährlich vor dem Tor, dass die Frage aufkommt: Macht er uns den Letchkov, schießt der Ebi uns etwa ab, zu Gast bei Freunden im Strafraum? Aber der Jürgen wäre kein Schwabe, wenn er nicht vorgebaut hätte. Ein Podolski und ein Miroslav Klose sollten reichen, um den polnischen Polen im Westfalenstadion klar zu machen: Immer zweimal mehr wie ihr!

27. Januar 2006 | Le Pissoir,News,Tipp | Kommentare deaktiviert für KULTURZWANG #2

KULTURZWANG #2

[inspic=1955,,,0]

 Fußball getanzt? Das gibt Theater! Foto:
 PhotoCase.com

Was macht Mann eigentlich, wenn Frau mal wieder ins Theater will, unbedingt? Er sucht sich das richtige Stück aus. „Du, da gibt es was mit Tanz, von so einer tollen Choreographin, wär das nix?“ Und dann ganz naiv in die Augen schauen! Schließlich ahnt sie ja nicht, wie gut die Tänzerinnen aussehen… „Maracanã“ ist in Deutschland ins kulturelle Vorprogramm der FIFA WM 2006™ gestartet, die Aufführung der brasilianischen Choreographin Deborah Colker läuft zunächst in Hamburg im Kampnagel, bevor es dann auf Tour durch die Republik geht.

Akrobatik, Energie, Dynamik – das sind laut Programm die wesentlichen Merkmale dieser Choreographie , die in spektakulärer Weise mit Sehgewohnheiten spiele und dabei die Gesetze der Schwerkraft aufhebe. Die Bühne werde zum Stadion und der Zuschauerraum zur Fankurve, wenn bekannte Bewegungsmuster des Spiels – wie Fouls oder Fallrückzieher – von den 16 brasilianischen und deutschen TänzerInnen mit höchstem körperlichen Einsatz in ihren ästhetischen Dimensionen völlig neu definiert werden. Und FANartisch dachte immer, das hätten Experten wie Vinnie Jones oder Klaus Fischer längst geschafft…

« Vorherige Artikel - Nächste Artikel »