FANartisch: Le Pissoir

9. Januar 2006 | Le Pissoir,News | Kommentare deaktiviert für EUPHEMISMUS DES JAHRES

EUPHEMISMUS DES JAHRES

Platz 1: „Erlebnisorientierte Fans“ statt „Hooligans“ – ins Reich der Freizeitparks, Pauschalurlaubsburgen und Ganzkörperanimation zu verbannendes Unwort des Jahres, das uns derart harmlos wohl vermehrt aus der Schweiz wieder einmal besuchen kommt.* Einst als polizeilich anektierter Terminus von deutschen Sozialwissenschaftlern geschaffen, schwappt der Begriff nun medial von den Eidgenossen wieder zurück ins Land der Gastfreundschaft 2006. Die dazu passenden Hools kommen dann real eher in Reisebussen aus Polen…
*Wort des Jahres 2005 in der deutschsprachigen Schweiz ist allerdings „Aldisierung“, wie aus mehr als 2.500 Vorschlägen von einer siebenköpfigen Jury aus Publizisten und Journalisten gewählt wurde. Wie die Jury in Vaduz mitteilte, steht das Wort „Aldisierung“ sowohl für tiefe Preise als auch für Befürchtungen wie Lohn-Dumping. FANartisch vermutet: In Deutschland stünde es wohl auch für die Trainersuche bei Schalke 04.

BUCK LEBOWSKI

8. Januar 2006 | Kick,Le Pissoir,News | Kommentare deaktiviert für ABSCHIEDSDERBY

ABSCHIEDSDERBY

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 In seinem Element: Theater- und Taschentuch-Fan Andy „Kampfsuse“ Möller (Plakatwerbung für das Deutsche Theater Berlin von Scholz & Friends, 1998 silberprämiert in der Kategorie Wirtschaft)

Schluchz‘ zum Abschied leise „Servus“… Beim Abschiedsspiel für Ex-Nationalspieler und Geographie-Fuchs Andreas Möller werden im Sommer die Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund und Schalke 04 gegeneinander antreten. Andy „Hauptsache Italien“ Möller, der als einer der wenigen gleich für beide Ruhrpott-Erzrivalen spielte, kickt dann eine Halbzeit schwatz-gelb und eine blau-weiß. Wie FANartisch erfahren hat, soll der Erlös weder dem Niebaum-Umschuldungsfonds noch der Schechter-Anleihenstiftung zugute kommen, sondern dem Solidarfond zugunsten der Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen für Jugendliche zufließen.

TOM S. HUNTER

5. Januar 2006 | Le Pissoir,News,Tipp | Kommentare deaktiviert für NEU! Der iPodolski!

NEU! Der iPodolski!

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 Klein, aber oho: Der neue iPodolski geht ganz schön ins Geld

Die iPod-Revolution geht weiter. Zuerst gab es Songs. Dann Fotos, Podcasts und Videos. Mit dem neuen iPodolski gibt es Meisterschaften, Pokalsiege, Champions-League-Titel und Weltmeisterschaften. Der neue iPodolski ist einzigartig und ein Erlebnis für Augen und Ohren, extrem flach mit 1 Nanobrain im Interviewmodus. Die Ausführung 1,80 m / 75 Kilo gibt es für 7,5 – 15 Mio Euro direkt beim FC.

iPodolski Leistungsmerkmale
Made in: Polen
Laufzeit: 90 Minuten
Maximum: 20 Kopfbälle in 30 sek
1 Nanobrain im Interviewmodus
Sprachausgabe: Köln Bergheim (orig. „Dreckscheiß“, „Dopass“ statt „Doppelpass“ etc.)
Software: iTuneski
Automatische Mitspielersynchronisation
Abseitsabweisend

Um Spielerberater (div. Modelle), 1 Schweini und 30 Minuten Verlängerung (inkl. Elfmeterschießen) erweiterbar. Auch als iPodolski Shuffle erhältlich.

2. Januar 2006 | Le Pissoir,News | Kommentare deaktiviert für TAGEBUCH EINES FUSSBALLHASSERS #2 – Bekenntnisse eines Ignoranten von geringem Sachverstand

TAGEBUCH EINES FUSSBALLHASSERS #2 – Bekenntnisse eines Ignoranten von geringem Sachverstand

Ja, warum bloß? Nur weil man nicht weiß, wie es ausgeht, wie aus vorgeblich berufenem Mund verlautbart worden ist? Das weiß man beim Tatort auch nicht (allerdings will man es da noch viel weniger wissen, weil die Qual, bis zum Ende zuschauen zu müssen, noch größer ist). Nein, der Grund muss viel tiefer liegen, buchstäblich, in entwicklungsgeschichtlich mindestens dem Pleistozän zuzurechnenden Gehirnregionen, sozusagen in der Kinderstube des Homo sapiens. Schauen wir uns doch zum Vergleich einen durchschnittlichen deutschen Kindergarten an. Wo liegt der Unterschied, davon abgesehen, dass nicht jede Woche einmal die halbe Nation zugeschaltet ist? Es gibt keinen, außer dass es sich auf dem Fußballfeld um erwachsene Männer handelt, die in bunter Kinderkleidung herumwimmeln und sich um ein Spielzeug kloppen. „Jetzt gib aber dem Kevin auch mal den Ball, hörst du? Willst du wohl hören?“

Auf den Rängen, insbesondere in den VIP-Logen, geht es nicht weniger infantil zu. Fast wähnt man sich auf einem Spielplatz, wo die Muttis aus unerfindlichem Stolz ihre missratenen Sprösslinge auf einer nur ihnen intellektuell zugänglichen Vergleichsskala einsortieren: „Meiner ist der Schönste“, behaupten die strähnchenblondierten Fußballerweibchen stolz, zeigen ihre Zahnkronen, um Stutenbissigkeit zu demonstrieren, und rücken sich die überdimensionalen blaustichigen Gucci-Brillen zurecht, mit denen sie ihre ausdruckslosen Lärvchen glasieren, nur damit es ordentlich zurückblitzt, wenn man sie mal fotografieren sollte – aber wer will das schon?

Diese verruchten Arschgeweihten jedenfalls bringen mit Vorliebe den gemeinsamen Nachwuchs namens Orlando-Chantal mit ins Stadion, damit der Papa sich noch bescheuerter aufführen darf, wenn er ein Tor geschossen hat. Ansonsten wird auf dem Rasen – wie im Kindergarten – ordentlich getreten, der Wortschatz der Beteiligten erreicht qualitativ und quantitativ bestenfalls Krabbelgruppenniveau, und sobald einer da unten irgendwelche Karten herzeigt, sind die anderen schwer beeindruckt – wie beim Yu-Gi-Oh in der Grundschule, wenn einer das Maximalmonster hat. Und das soll nun der soziale Kitt sein, der ständeübergreifend Jung und Alt, Mann und Weib, Arm und Reich im Spiel versöhnt?
(Fortsetzung folgt…)

M.O.

[unverhofft auf dem Dachboden gefundene Tagebücher wie dieses spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wider]

1. Januar 2006 | Le Pissoir,News | Kommentare deaktiviert für TAGEBUCH EINES FUSSBALLHASSERS #1 – Bekenntnisse eines Ignoranten von geringem Sachverstand

TAGEBUCH EINES FUSSBALLHASSERS #1 – Bekenntnisse eines Ignoranten von geringem Sachverstand

„Sinnloser als Fußball ist nur noch eins: Nachdenken über Fußball.“ Auch wenn er sonst viel Schlaues sagt, der Martin Walser, besonders wenn er vor großem Publikum in noch größeren Kirchen spricht – hier irrt der Dichter: Es lohnt sich durchaus, über Fußball nachzudenken. Wer es einmal gründlich getan hat, muss es nie wieder tun. Denn dann weiß er ein für allemal, warum es sich tatsächlich nicht lohnt.

Fußball, einstmals der Sport der Unterdrückten, der Gestrauchelten und Tagediebe dieser Welt, ist salonfähig geworden, und das heißt bei uns: fernseh-, also wohnzimmertauglich. „Deutschland spielt, heut’ bleibt der DVD-Player aus!“, lautet die allfällige Losung der audiovisuell hochgerüsteten Mittelklassefamilien, die mit surroundverdrahteten Beschallungsanlagen in den guten Stuben ihrer Reihenendhäuser dem Unterschichtenfernsehen entkommen wollen (und damit unbewusst der Unterschichtencinematographie Vorschub leisten). Wenn Fußball im TV kommt, sind alle traulich vereint wie damals in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts (oder war es das vorletzte?), als die so genannten Straßenfeger für flächendeckende Verbreitung des schlechten Geschmacks sorgten: Vater, Mutter, Omma, Oppa, Fred und Hilde von nebenan, Onkel Willi und sogar die beiden schwer verpickelten Nachkömmlinge undefinierbaren Geschlechts, die sonst nur mit Brachialgewalt hinter ihren fast ausschließlich zu Bildungszwecken genutzten Computern wegbugsiert bzw. von ihren drahtlosen Fernsprechgeräten entkoppelt werden können. Gut, Mutti ist nicht eigentlich dabei – als Einzige betätigt sie sich sportlich an solchen Abenden und pendelt unentwegt zwischen Küche und Wohnzimmer, schwer bepackt mit Schnittchen und Bier für die Erwachsenen und entkoffeinierter, entzuckerter, überhaupt entidealisierter und vielleicht auch schon entbrauster Brause für die Zahnspangenträger. Die anderen tackern sich reglos und unverrückbar in die soeben abbezahlte Wohnlandschaft und harren der Dinge, die da kommen. Warum bloß?
(Fortsetzung folgt…)

M.O.

[unverhofft auf dem Dachboden gefundene Tagebücher wie dieses spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wider]

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