WERNER: DAS FUSSBALLSPIEL
Gehen Sie doch mal wieder auf den Markt…
Gehen Sie doch mal wieder auf den Markt…
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Arbeitslos und eine Flasche Bier? Da hat sich doch in Newcastle ein arbeitsloser Fan lieber die Markenrechte an seinem Lieblingsclub Newcastle United eintragen lassen (weil dieser sich als F.C. nur für „Football Company“ statt für „Football Club“ hatte eintragen lassen). Wer weiß, wann der erste Schalke-Fan nach dem dubiosen Stadiondeal seines Vereins mit der Stadt Gelsenkirchen auf die Idee kommt, sich für den symbolischen Betrag von einem Euro die Markenrechte am „FC Schalke 05“ zu sichern…
Legenden. Mythen. Revanche. Ein „Legends“-Benefizspiel konnte Deutschland gegen England 40 Jahre nach der umstrittenen Endspiel-Niederlage von Wembley mit 4:2 (2:0) für sich entscheiden. Für die deutsche Auswahl von „Trainer“ Lothar Matthäus spielten vor 20.000 Zuschauern in Reading u.a. ehemalige Nationalspieler wie Bodo Illgner, Thomas Berthold, Steffen Freund, Maurizio Gaudino (der Spiel und vor allem Gegenspieler so schnell nicht vergessen wird) oder Bruno Labbadia (der gleich zwei Treffer erzielte), aber auch Promis wie Herbert Grönemeyer und Schauspieler Peter Lohmeyer. Das englische Team, das von Trainer Sir Bobby Robson betreut wurde, trat unter anderem mit den Ex-Profis Chris Waddle, Graeme Le Saux, John Barnes oder Matt Le Tissier an. Aufgefrischt wurde der englische Kader u.a. durch Richard Ashcroft. Und natürlich – der Hammer – durch den britischen Stier Boris Johnson, seines Zeichens Politiker, Journalist und Historiker, wenn er nicht grade Gaudino auf die Hörner nimmt.FANartisch meint: Nach dem Auftritt von Boris Johnson ist nicht nur Maurizio Gaudino völlig klar, warum ein Teil des Erlöses aus der Partie an das Britische Rote Kreuz ging…
BUCK LEBOWSKI
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Foto: Marcus Ostermann
Es war einmal ein Verband, der wollte aus seinem besten Pferd im Stall den maximalen Gewinn rausholen – mit allen Mitteln. Um die Position des Fußballs im globalen Spiel auf Jahre zu stärken und zu sichern – und die eigenen Positionen und Pöstchen, das eigene Festgehalt und die eigenen Prämien. Clever, clever… Die juristische Abteilung freute sich ein Bein ab, der Marketing-Katalog der Dos & Don’ts wuchs täglich, schwoll vor der FIFA WM 2006™ in Deutschland voll jurisprudentischem Stolz wie der Kamm des größten Hahns auf dem Hof von Bauer Hein. Maximalausdehnung. Profitmaximierung. Jurist Hans im Glück. Der Spielraum für den unbeschwerten Umgang mit dem Fußballvokabular wurde dagegen eingeschränkt, in die Schranken gewiesen – alles nur zum Schutze der offiziellen Sponsoren und des „Produkts“ Fußball. Die Mutter der Porzellankiste?
Vor dieser Mutter – ein Bock als Gärtner ist nix im Vergleich zu dieser Elefantenkuh im Porzellanladen – müssen sich in der Fußballmärchenwelt alle in Acht nehmen. Vorsicht Fußball! Aber das scheint nun Geschichte, das Märchen nimmt ein gutes Ende, der Bundesgerichtshof will den Begriff „Fußball-WM 2006“ einfach nicht schützen. Goldmarie weint. Die deutsche Wirtschaft jubiliert. WM-Sammelbilder dürfen nun WM-Sammelbilder heißen, statt der Halbzeit-Pizza essen wir nun die WM-Pizza. Bäckt nun jeder Bäcker WM-Brötchen? Die Antwort ist ja! Muss die FIFA nun kleinere Brötchen backen? Mitnichten. Sie spart wahrscheinlich Millionen an Anwaltskosten und speckt die eigene Rechtsabteilung großzügig ab. Fanartisch meint: darauf ein inoffizielles, märchenhaft leckeres kühles WM-Bier! Und so tranken sie glücklich bis zum Scheitern der deutschen Mannschaft…
TOM S. HUNTER
PS: ENDE
Scheinheilig oder zynisch? Was Karl-Heinz Rummenigge da auf der Pressekonferenz zum Münchner Stadiontheater über die Lippen kam, war es schon wert, genau hinzuhören: Man habe die Wahl gehabt zwischen Pest und Cholera, und zwar beide Vereine, der FC Bayern und der TSV 1860 München, und er wisse nicht, wer nun was bekommen hätte, wer Pest, wer Cholera. 1860 München, das nach dem radikalen Kurs der Ära Wildmoser nun erst kurz vor der Insolvenz von ganz anderen Strategen eingebremst wird, indem es seine kompletten Stadionanteile für die Summe von 11 Millionen Euro an den FC Bayern überschreibt, wird dagegen sehr genau wissen, was man da gerade bekommen hat, welchen Becher die eigene Anhängerschaft mit der milden, selbstlosen Gabe des roten Stadtrivalen da ausgetrunken hat, wie sich die eigenen Fans nun fühlen müssen. Ein Komödienstadl der Gefühle ist es sicher nicht. Eher Frustsaufen im Hofbräuhaus.
Aber wer hat sich denn nun alles verzockt? Nur der Wildmoser, der alleinige Sündenbock, wie uns Uli Hoeneß bei der Pressekonferenz weismachen möchte? Oder auch der FC Bayern, der laut Hoeneß seine Transferaktivitäten trotz der nun nicht einkalkulierten gesamten Stadionlast für die Allianz-Arena für die nächsten (vier) Jahre auf gar keinen Fall werde einschränken müssen? Pfeifen im Walde? Oder ist der FC Bayern in der Tat so gut aufgestellt, dass man das Prestigeobjekt, das neueste Wahrzeichen von München ohne Einschränkungen alleine stemmen kann? Wenn ja, klingt das weder nach Pest noch nach Cholera, sondern nach einem richtig guten Geschäft. FANartisch meint: spannende Fragen angesichts der Hoeneßschen Aktivitäten auf dem Transfermarkt und der minimalen Erfolge des FC Bayern auf europäischem Parkett. Wir lauschen weiter auf die Zwischentöne aus München – und den Heiligenschein gibt’s von uns dann erst später, nachträglich…
BUCK LEBOWSKI